Die Sammlung sizilianischer Marionetten, die im Marionettenmuseum in Randazzo ausgestellt ist, geht auf ein Anfang des 20. Jahrhundert weit verbreitetes und heute fast ausgestorbenes "Handwerk" zurück. Einer der wichtigsten Vertreter jener Zeit war Ninì Calabrese. Die Sammlung, die wohl einer einzigen Familien gehörte und aus 39 Marionetten besteht, wurde zu zwei verschiedenen Zeitpunkten von der Gemeinde Randazzo erworben: Die ersten 22 Marionetten kaufte Frau Giuseppa Leone im Jahr 1985 und weitere 17 Marionetten wurden 2005 von Frau Rita Russo Mattea erworben. Man vermutet, dass sie das Werk des Bildhauers (Puppenspielers) Puddu Maglia, von dem keine biographischen Angaben vorliegen, und des in der Gegend von Catania berühmten Bildhauers (Kesselschmieds) Emilio Musumeci sind. Von Letzterem ist bekannt, dass er ein geschickter Bildhauer von Köpfen, Hersteller von Rüstungen und Redner sowie zeitweise Betreiber eines Theaters, Bühnenbild- und Plakatmaler war.
Die Marionetten stellen Personen des Rolandslieds aus der Zeit Karls des Großen dar, das in Anwesenheit des Königs Umberto II. zur Aufführung kam. Das Werk ist für die sizilianischen Geschichtenerzähler typisch, die diese Kultur in ganz Europa und auch in anderen Kontinenten verbreiteten.

In Sizilien existieren zwei verschiedene Traditionen des Marionettentheaters: Die Schule von Palermo, die sich im Westen der Insel durchgesetzt hat, und jene aus der Gegend von Catania, die sich in Catania selbst und im östlichen Teil der Insel sowie auch in Kalabrien verbreitet hat. Die beiden Traditionen unterscheiden sich durch die Größe und das Gewicht der Marionetten, durch einige Aspekte der Mechanik und des Betätigungssystems, aber vor allem durch eine verschiedenartige Theaterkonzeption und Aufführung. Aus diesem Grund hat sich in der Gegend von Catania ein weitaus breiteres und unter vielen Aspekten andersartiges Repertoire behauptet als im Gebiet von Palermo.