Es ist sehr bemerkenswert, dass in der Stadt Linguaglossa zwei Künstler, Francesco Messina (1900-1995) und Salvatore Incorpora (1920-2010) - geboren in Gioiosa Ionica, Kalabrien, aber hier am Fuße des Ätna aktiv -, in zwei sehr unterschiedlichen Bereichen der bildenden Kunst tätig waren. Die Werke der beiden Künstler haben wenig gemeinsam, ergänzen sich jedoch. Messina hat sich mit der apollinischen Dimension der Schönheit und vor allem mit ihren Auswirkungen auf die Religiosität beschäftigt. Im Mittelpunkt des Werks von Incorpora steht die Konkretheit des Menschen, der in schwierigen Zeiten durchhalten muss, um seine Würde und seine Präsenz in der Geschichte und in seiner Zeit zu behaupten. In diesem Sinne ist Incorpora ein Maler, der mehr Ähnlichkeit mit Renato Guttuso hat, auch wenn seine Werke essentieller sind und Anklänge an die abstrakte Kunst aufweisen.
Salvatore Incorpora ist ein vielseitiger Künstler, dessen Werke in drei Richtungen weisen: Die Malerei in neoexpressionistischem Stil, die Skulpturen, die nach einer zu Anfang unvermeidbaren akademischen Reinheit durch eine intensive, dramatische figürliche Darstellung gekennzeichnet sind, und die angewandte Kunst, wo er die faszinierendsten, eindrucksvollsten Ergebnisse erreicht. Dem Nährboden der volkstümlichen Traditionen entspringen die Krippen und Zauberschachteln von Incorpora, die mit Lebendigkeit ein in Miniaturform nachgebildetes Sizilien darstellen, das zum idealen Ort für Christi Geburt oder die Flucht nach Ägypten wird. Während seiner langen Karriere - der Künstler wurde 90 Jahre alt - ist Incorpora immer konsequent geblieben. Trotz Anregungen durch zahlreiche Vorbilder ist sein Festhalten an einer bildhaften Darstellung offensichtlich, die man als problematisch bezeichnen könnte, weil sie nicht realistisch oder neorealistisch ist, sondern von der Kunst des 20. Jahrhunderts beeinflusst wird, die er mit Intelligenz und kritischem Geist verfolgte. Man sollte daher nicht nur Francesco Messinas wegen nach Linguaglossa kommen, sondern auch und vor allem, um die Werke von Salvatore Incorpora kennen zu lernen, die Linguaglossa zu einer kleinen Kunstmetropole des 20. Jahrhunderts machen.

Vittorio Sgarbi